Hintergrund

Durch die Einführung der Abgeltungsteuer zum Veranlagungszeitraum 2009 hat der Gesetzgeber einen Paradigmenwechsel bei der Besteuerung von Privatvermögen im Bereich der Einkünfte aus Kapitalvermögen vollzogen. Neben der Einführung eines besonderen Einkommensteuersatzes (§ 32d EStG), der Einführung eines grundsätzlichen Verlustverrechnungsverbots mit anderen Einkunftsarten (§ 20 Abs. 6 EStG) sowie der Einführung des grundsätzlichen Verbots des Abzugs von Werbungskosten (§ 20 Abs. 9 EStG) wurde insbesondere die traditionelle Trennung zwischen nicht steuerbaren Wertveränderungen auf der Vermögensebene und steuerbaren laufenden Erträgen aufgehoben (§ 20 Abs. 2 EStG). Die Finanzverwaltung vertrat diesbezüglich bislang die Auffassung, dass der Gewinn und Verlust aus der Veräußerung von Kapitalforderungen zu besteuern sei, während der Ausfall einer Forderung steuerlich nicht zu berücksichtigen sei.

Urteil des BFH vom 24.10.2017

Dem Urteil des BFH vom 24.10.2017 (VIII R 13/15) lag ein Fall zugrunde, in dem der Schuldner einer privaten Darlehensforderung die vereinbarte Rückzahlung einstellte. Über sein Vermögen wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Nach Anmeldung der Forderung zur Insolvenztabelle machte der Kläger und Darlehensgläubiger den Ausfall der Darlehensforderung als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend.

Der BFH hat daraufhin entschieden, dass der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der privaten Vermögenssphäre, d. h. insbesondere private Darlehensforderungen, zu einem bei den Einkünften aus Kapitalvermögen steuerlich anzuerkennenden Verlust nach § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 7, S. 2, Abs. 4 EStG führt. Der BFH begründet seine Entscheidung insbesondere damit, dass mit der Aufhebung der o. g. unterschiedlichen Behandlung von Vermögens- und Ertragsebene nicht nur Gewinne aus Wertveränderungen im Privatvermögen, sondern auch daraus resultierende Verluste steuerlich zu berücksichtigen sind. In zeitlicher Hinsicht sind von der Entscheidung alle Kapitalforderungen betroffen, die nach Einführung der Abgeltungsteuer, d. h. ab dem Veranlagungszeitraum 2009, begründet oder erworben wurden.

Auswirkungen auf Gesellschafterdarlehen

Nachdem der BFH in dem Grundsatzurteil vom 11.07.2017 (IX R 36/15) der bis dahin möglichen anteiligen steuerlichen Berücksichtigung des Ausfalls von Gesellschafterdarlehen an Kapitalgesellschaften als Anschaffungskosten im Rahmen von § 17 EStG eine Absage erteilt hat, liegt es nunmehr nahe, auch bei privaten Gesellschafterdarlehen die o. g. Entscheidung des BFH vom 24.10.2017 anzuwenden. Dies hätte zur Folge, dass endgültig ausgefallene Gesellschafterforderungen im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) in voller Höhe Berücksichtigung finden könnten. Bei einer unmittelbaren Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft von mindestens 10 % wäre zudem die Möglichkeit einer unbeschränkten Verlustverrechnung mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten eröffnet, da insoweit Ausnahmen von den o. g. Abgeltungsteuerprinzipien bestehen (§ 32d Abs. 2 S. 1 Nr. 1 b), S. 2 EStG).

Die Auswirkungen der BFH-Entscheidung vom 24.10.2017 auf die steuerliche Behandlung von Gesellschafterdarlehen sind derzeit noch offen. Bei der Klärung, wie mit Verlusten aus bereits eingetretenen oder zukünftigen Darlehensausfällen steuerlich verfahren werden kann, steht FIDES Ihnen als Ansprechpartner gern zur Verfügung.