Von Management-Buy-In (MBI) spricht man, wenn in der Unternehmerfamilie kein Nachfolger zur Verfügung steht, und das Unternehmen durch einen externen Manager übernommen wird.

Hintergrund

Die Gestaltung der Unternehmensnachfolge im deutschen Mittelstand ist ein Thema von hoher Bedeutung – und es ist davon auszugehen, dass diese Bedeutung in den kommenden Jahren erheblich zunehmen wird. Derzeit werden noch 54 % der Betriebe familienintern weitergegeben, dieser Anteil wird in den kommenden Jahren jedoch auf ca. 40 % sinken. Das über lange Jahre funktionierende Modell der Übergabe in der eigenen Familie verliert an Bedeutung – eine Folge der demographischen Entwicklung,  aber auch der Individualisierung der jüngeren Generation, die ihre Berufung nicht mehr selbstverständlich in der Nachfolge im elterlichen Unternehmen sieht. Häufig werden gesunde Betriebe sogar geschlossen, weil kein Nachfolger gefunden wird.

Die vorstehenden Überlegungen machen deutlich, dass die Nachfolgeregelung im Mittelstand jedes inhabergeführte Unternehmen betrifft. Nicht zuletzt Banken drängen in ihren Ratingverfahren mit zunehmendem Alter der Inhaber auf stabile Lösungen zur Fortführung. Berücksichtigt man gleichzeitig, dass ein Nachfolgeprozess durchaus einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren in Anspruch nehmen kann, so wird deutlich: Ab einem Alter von 55 Jahren, spätestens aber mit 60 Jahren, sollte jeder Unternehmer in seinem eigenen Interesse das Nachfolgethema proaktiv angehen. Was kann nun getan werden, wenn eine Nachfolge gefunden werden muss, in der eigenen Familie aber kein geeigneter Nachfolger zur Verfügung steht? Der Unternehmer wird sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, sein Unternehmen in andere Hände zu geben; häufig ist dies nicht nur eine finanzielle oder organisatorische Notwendigkeit, sondern auch ein höchst emotionales Thema, insbesondere dann, wenn nur eine Minderheit des Unternehmens oder gar keine Anteile in der Familie bleiben. Grundsätzlich sind in dieser Situation drei Szenarien denkbar:

  1.  Verkauf an Strategen
  2.  Management-Buy-Out (MBO) – ein bisher angestellter Manager übernimmt die Führung des Unternehmens und erwirbt signifikante Anteile
  3.  Management-Buy-In (MBI) – ein externer Dritter übernimmt das Unternehmen komplett oder zu einem signifikanten Teil.

Nachfolgend soll die dritte Möglichkeit, Unternehmensabgabe an einen externen Dritten, näher erläutert werden. Ist der Entschluss zur Unternehmensübergabe und zur grundsätzlich denkbaren Ausgestaltung einmal gefallen, ist eine komplexe Problemstellung vom Unternehmen und seinen Alteigentümern zu bewältigen.

  • Wie kann ein Unternehmen einen kompetenten und zur Unternehmenskultur passenden externen Nachfolger (MBI) finden?
  • Wie wird der Kaufpreis für beide Seiten gerecht ermittelt und vor allen Dingen finanziert?
  • Wer kann als neutraler Dritter beraten und hat Erfahrung mit solchen für das Unternehmen einmaligen Prozessen?

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Kritische Erfolgsfaktoren

Berücksichtigt man, dass nur knapp die Hälfte der Übergabeprozesse im Mittelstand wirklich nachhaltig erfolgreich ist und analysiert typische Ursachen des Scheiterns, so zeigt sich, dass gründliche Vorbereitung und Klarheit in den Erwartungshaltungen für einen erfolgreichen Prozess unabdingbar sind. In jedem Fall sind Geduld und Augenmaß hilfreich – ein Moderator im Prozess kann häufig auch sensible Botschaften in den Verhandlungen adressieren, die die Parteien für sich genommen nicht artikulieren können. Es zahlt sich für alle Parteien aus, den Prozess mit erfahrenen Begleitern aus der Unternehmensentwicklung sowie mit juristischer und steuerlicher Kompetenz anzugehen – der Mehraufwand in der Planung und Vorbereitung macht sich in aller Regel durch die verbesserte Prozessqualität mehr als bezahlt. Im Sinne eines effizienten Ablaufs empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Beratungsunternehmen, so dass bei der Suche nach einem geeigneten Partner für einen MBI auf ein umfangreiches Netzwerk zurückgegriffen werden kann.

Daneben ist es erfolgskritisch, für Gespräche einen vertraulichen Rahmen zu haben. Eine aussagekräftige Präsentation über das Unternehmen, wie sie in einem solchen Prozess erforderlich ist, wird möglichen MBI-Kandidaten unter Vertraulichkeit vorgestellt; genauso vertraulich erfolgen erste Sondierungen im persönlichen Gespräch aller Beteiligten. Akzeptiert auch der Altunternehmer den Kandidaten, kann der eigentliche MBI-Prozess anlaufen. Es folgt dann

  • eine indikative Unternehmensbewertung und
  • ein strategisches Fortführungskonzept, das nach Möglichkeit die Interessen von Alt- und Neueigentümern zusammenführt.

Sind sich beide Seiten über Preis und Strategie einig, erfolgt eine systematische Prüfung des Unternehmens in allen kritischen Bereichen (Due Diligence), deren Ergebnisse in den Kaufvertrag mit all seinen Gestaltungsmöglichkeiten einfließen. Ist der Kaufvertrag notariell beurkundet, fängt die Arbeit für den Übernehmer erst richtig an – der Altunternehmer dagegen hat nach einer Übergangsphase sein Lebenswerk in gute Hände gegeben und kann den wohlverdienten  Ruhestand genießen.