Auf Initiative der deutschen Kreditwirtschaft und mit Unterstützung der Bundesregierung wird bereits seit 2014 umfassend an der Entwicklung eines Digitalen Finanzberichts gearbeitet. Ziel der Initiative ist es, ein standardisiertes Verfahren zur digitalen Übermittlung von handels-rechtlichen Abschlussdaten an Kreditinstitute zu entwickeln. FIDES hat in Kooperation mit der Deutschen Bundesbank bereits seit Anfang 2017 an der Pilotphase zum Digitalen Finanzbericht mitgewirkt und die ent-sprechende Technologie und das Know-­how mit aufgebaut. Nach Abschluss der Pilotphase ist jetzt von einer flächendeckenden Verbreitung des Digitalen Finanzberichts auszugehen. Vor diesem Hintergrund informiert der vorliegende Beitrag über den aktuellen Stand zu diesem Thema.

Neuerungen und Vorteile 

Die Übermittlung von Jahresabschlüssen an Kreditinstitute erfolgt bislang entweder in papiergebundener Form oder im PDF-Dateiformat. Sie erfordert bei den Kreditinstituten eine aufwendige, manuelle und fehleranfällige Datenerfassung, um die Informationen in weiterführenden Auswertungssystemen nutzen zu können. 

Mit dem Digitalen Finanzbericht werden handelsrechtliche Abschlüsse, aber auch Einnahmen­-Überschuss­-Rechnungen, in einer standardisierten, digitalen Form an die Kreditinstitute übermittelt. Entsprechend liegen die Vorteile des Digitalen Finanz-berichts bei den Kreditinstituten vor allem in einem geringeren Zeit­ und Kostenaufwand für die Weiterverarbeitung der erhaltenen Finanzinformationen sowie einer medien-bruchfreien und damit weniger fehleranfälligen Datenübertragung. Bei Unternehmen kann durch die elektronische Übertragung der Abschlussinformationen neben einer Optimierung der internen Prozesse zur Erfüllung von Informationspflichten insbe-sondere eine Beschleunigung des Kreditantragsverfahrens erreicht werden. Grund hierfür ist, dass die erforderlichen Daten den Banken schneller als Entscheidungs-grundlage zur Verfügung stehen. Außerdem ist im Rahmen einer weiteren Ausbaustufe des Digitalen Finanzberichts vorgesehen, dass auch die Kreditinstitute ihren Kunden über einen sog. Rückkanal digitale Informationen (z. B. Kreditparameter, Zins­ und Tilgungspläne etc.) bereitstellen.

Ausgestaltung

Der Digitale Finanzbericht wird mithilfe der sog. XBRL­Technik übertragen. Diese Übermittlungsform ist bereits seit einigen Jahren für die Offenlegung von Abschluss-informationen beim Bundesanzeiger und bei der Übertragung von elektronischen Steuerbilanzen (E-Bilanz) an die Finanzverwaltung im Einsatz. Einschlägige Software-Produkte enthalten – neben den erforderlichen Aufbereitungsmöglichkeiten der Finanzdaten (insbesondere Zuordnung auf sog. Taxonomie­-Posten) – regelmäßig auch die erforderliche Datenschnittstelle, um die relevanten Daten an die Kreditinstitute zu übermitteln.

Eine gesetzliche Verpflichtung zur elektronischen Übermittlung von Finanzdaten an Kreditinstitute besteht aktuell nicht. Unternehmen können folglich selbst entscheiden, ob und ggf. an welche Bank sie einen Digitalen Finanzbericht übermitteln. Grund-sätzlich ist es allerdings denkbar, dass entsprechende Verpflichtungen zukünftig vermehrt in Kreditverträge aufgenommen werden. Wollen Unternehmen ihre Informationspflichten gegenüber Kreditinstituten in digitaler Form erfüllen, können sie dies dem Kreditinstitut durch eine sog. Teilnahme­ und Verbindlichkeitserklärung (TVE) mitteilen. Ein entsprechendes Formular ist im Internet zum Download verfügbar. Eine einmal abgegebene Erklärung kann grundsätzlich jederzeit durch das Unternehmen widerrufen werden.

Was bleibt unverändert?

Der Datenumfang und die Datentiefe der zu übermittelnden Informationen werden im Rahmen des Digitalen Finanzberichts weder eingeschränkt noch ausgeweitet. Auch das Bankgeheimnis und der Datenschutz bleiben in vollem Umfang erhalten. Das Übermittlungsverfahren des Digitalen Finanzberichts sieht zudem Technologien zur Authentifizierung des Absenders und des Empfängers sowie eine Verschlüsselung der Daten auf dem Übertragungsweg vor, so dass diese im Rahmen der technischen Möglichkeiten zuverlässig gegen unbefugten Zugriff geschützt sind. Die Neuerungen durch den Digitalen Finanzbericht betreffen im Ergebnis ausschließlich die Form der Datenübermittlung. Hinsichtlich der Verantwortung für die Richtigkeit der über-mittelten Abschlussinformationen ergeben sich durch die Einführung des Digitalen Finanzberichts ebenfalls keine Änderungen. Verantwortlich bleiben der Kreditnehmer bzw. das übermittelnde Unternehmen. Dies gilt auch dann, wenn die jeweilige Übermittlung unternehmensextern (z.B. durch FIDES) erfolgt.

Laut Aussagen von Kreditinstituten soll die zügige Verbreitung des Digitalen Finanzberichts weiter forciert werden. Entsprechend hat sich auch die Anzahl der empfangsbereiten Kreditinstitute zuletzt deutlich erhöht.

Fazit

Der Digitale Finanzbericht wird sich künftig voraussichtlich als Standard in der Kommunikation zwischen Kreditnehmer und Bank etablieren. Es gilt daher, im Unternehmen die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für die Generierung von Digitalen Finanzberichten zu schaffen oder bei Bedarf externe Dienstleister mit der technischen Abwicklung zu beauftragen.

Gerne stehe ich für weitere Fragen persönlich zur Verfügung: